Was sind die Backrooms? A24, Google DeepMind und die Debatte über KI im Film

Die Backrooms gehören zu den ungewöhnlichsten Internet-Phänomenen der letzten Jahre. Was als unheimliche Online-Legende begann, ist inzwischen ein Thema für Hollywood, unabhängige Filmstudios und die Debatte über künstliche Intelligenz in der Kulturproduktion.

Der US-amerikanische Independent-Filmverleih und Produzent A24 arbeitet an einem Filmprojekt zu den Backrooms. Regie führen soll Kane Parsons, der junge YouTube-Filmemacher, der das Phänomen mit seinen Kurzfilmen weltweit bekannt gemacht hat.

Gleichzeitig hat Google DeepMind eine Forschungskooperation mit A24 angekündigt. Dabei soll untersucht werden, wie KI Werkzeuge für die Filmproduktion unterstützen kann.

Diese beiden Entwicklungen sind nicht dasselbe Projekt. Zusammen zeigen sie jedoch, wie stark sich Internetkultur, Filmkunst und Technologie inzwischen überschneiden.

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Was sind die Backrooms?

Die Backrooms sind eine moderne Internet-Legende, die 2019 aus einem anonymen Bild und einer kurzen Beschreibung entstand.

Die Grundidee ist einfach: Ein Mensch fällt aus der normalen Realität heraus und landet in einem scheinbar endlosen Raum aus gelben Wänden, alten Teppichen, flackerndem Neonlicht und leeren Gängen.

Das Unheimliche entsteht nicht durch ein klassisches Monster. Es entsteht durch den Ort selbst.

Die Backrooms wirken wie eine Mischung aus verlassenem Bürogebäude, leerem Behördenflur, geschlossenem Einkaufszentrum und endloser Tiefgarage. Es sind Räume, die jeder kennt, aber in denen niemand bleiben möchte.

Für ein deutsches Publikum lässt sich das besonders gut über den Begriff der unheimlichen Alltagsarchitektur verstehen: nüchterne Funktionsräume, Verwaltungsflure, Gewerbebauten und anonyme Zweckarchitektur, die plötzlich bedrohlich wirken.

Warum dieses Horrorbild in Deutschland verständlich ist

Deutschland hat eine starke Sensibilität für Räume, Ordnung, Kontrolle und funktionale Architektur.

Viele Menschen kennen Orte, die nicht eigentlich gefährlich sind, aber trotzdem Beklemmung auslösen: ein leerer Bürokomplex nach Feierabend, ein Krankenhausflur bei Nacht, ein Behördengebäude ohne Menschen, ein Parkhaus mit flackerndem Licht oder ein endloser Gang in einem Schulgebäude.

Genau dort setzen die Backrooms an.

Sie zeigen keinen übernatürlichen Schrecken im klassischen Sinn. Sie zeigen, wie vertraute Räume ihre Sicherheit verlieren können. Das macht das Phänomen auch für Menschen verständlich, die mit Internet-Horror oder englischsprachigen Memes wenig anfangen können.

Von YouTube zum Independent-Kino

Besonders bekannt wurden die Backrooms durch Kane Parsons.

Im Jahr 2022 veröffentlichte er als Teenager auf YouTube einen Kurzfilm, der mit realistischen visuellen Effekten, Found-Footage-Ästhetik und dokumentarischem Stil arbeitete. Die Videos verbreiteten sich schnell und erreichten ein internationales Publikum.

Damit wurde sichtbar, dass junge Kreative heute nicht mehr zwingend über klassische Filmhochschulen, Fernsehsender oder Studios entdeckt werden müssen. Eine starke Idee, digitale Werkzeuge und Plattformen wie YouTube können ausreichen, um weltweit Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Dass A24 ein solches Projekt aufgreift, ist deshalb bemerkenswert.

A24 steht nicht nur für Hollywood-Unterhaltung, sondern für Filme mit klarer Handschrift, ungewöhnlichen Stoffen und starker künstlerischer Identität. Für ein deutsches Publikum lässt sich A24 eher als Studio für anspruchsvolles Genre- und Autorenkino beschreiben, nicht nur als großer amerikanischer Filmproduzent.

Google DeepMind, A24 und die Rolle der KI

Google DeepMind hat eine Forschungskooperation mit A24 angekündigt, um zu untersuchen, wie künstliche Intelligenz kreative Prozesse im Film unterstützen kann.

Dabei geht es nicht offiziell darum, Regisseurinnen, Autoren, Kameraleute oder VFX-Künstler zu ersetzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob KI als Werkzeug für Recherche, visuelle Experimente, Produktionsplanung oder neue Erzählformen eingesetzt werden kann.

Befürworter sehen darin eine Erweiterung des Werkzeugkastens: ähnlich wie digitale Schnittsysteme, CGI oder Previsualisierung.

Doch gerade in Deutschland dürfte diese Frage nicht nur technisch, sondern auch ethisch und arbeitsrechtlich diskutiert werden.

Warum die KI-Debatte in Deutschland besonders sensibel ist

In Deutschland werden neue Technologien oft nicht nur nach ihrem Nutzen bewertet, sondern auch nach ihren Folgen für Gesellschaft, Arbeit, Datenschutz und kulturelle Verantwortung.

Bei KI im Film stellen sich daher mehrere Fragen:

Wer besitzt die Rechte an KI-generierten Bildern?
Wurden Trainingsdaten rechtmäßig genutzt?
Werden Künstlerinnen, Autoren oder technische Fachkräfte verdrängt?
Bleibt die kreative Entscheidung beim Menschen?
Wie transparent muss der Einsatz von KI gegenüber dem Publikum sein?

Diese Fragen sind zentral, weil Film nicht nur Unterhaltung ist. Film ist auch Kultur, Arbeit, Urheberrecht und Ausdruck einer bestimmten Sicht auf die Welt.

Wenn KI nur eingesetzt wird, um Kosten zu senken, wird sie schnell als Gefahr wahrgenommen. Wenn sie dagegen klar begrenzt, transparent und im Dienst einer menschlichen Vision genutzt wird, kann sie ein nützliches Werkzeug sein.

Was die Backrooms mit dieser Debatte zu tun haben

Die Backrooms sind ein gutes Beispiel für die neue Medienlandschaft.

Sie sind nicht in einem klassischen Studio entstanden, sondern aus einem Bild, einer Online-Community und der Arbeit unabhängiger Kreativer. Aus einem digitalen Mythos wurde ein mögliches Filmprojekt.

Gleichzeitig passt das Thema besonders gut zur KI-Debatte, weil die Backrooms selbst wie künstlich erzeugte Räume wirken: anonym, wiederholend, leer, endlos und fast maschinell.

Das macht sie zu einem starken Symbol für eine Gegenwart, in der digitale Bilder, reale Architektur und künstliche Intelligenz immer schwerer voneinander zu trennen sind.

Fazit

Die Backrooms sind mehr als ein Internet-Horrortrend.

Sie zeigen, wie aus Online-Kultur ein Filmstoff werden kann. Sie zeigen, wie junge Kreative über Plattformen wie YouTube internationale Aufmerksamkeit erreichen. Und sie zeigen, warum die Frage nach KI im Kino nicht nur eine technische Frage ist.

Für Deutschland ist besonders wichtig: Entscheidend wird nicht sein, ob KI im Film eingesetzt wird. Entscheidend wird sein, wer die Kontrolle behält, wie transparent der Einsatz ist und ob menschliche Kreativität, Urheberrecht und faire Arbeitsbedingungen geschützt bleiben.

Die Backrooms stehen damit nicht nur für Angst vor leeren Räumen. Sie stehen auch für eine größere Unsicherheit: Wie viel Mensch bleibt in einer Kultur, die immer stärker von Maschinen mitgestaltet wird?

Anmerkungen

Quellen

  • Offizieller Blog von Google DeepMind
  • Offizielle Website von A24
  • Offizieller YouTube-Kanal von Kane Parsons

Redaktioneller Hinweis

Die Forschungskooperation zwischen Google DeepMind und A24 ist nicht identisch mit dem von A24 entwickelten Filmprojekt Backrooms. Dieser Artikel behandelt beide Entwicklungen gemeinsam, weil sie dieselbe größere Frage berühren: Wie verändert künstliche Intelligenz die Filmproduktion, die Kulturarbeit und die Rolle menschlicher Kreativität?

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